Zum Inhalt springen

Führerschein verloren und auf der Suche nach einem kompetenten Verkehrspsychologen?

 

Leitfaden zur MPU-Vorbereitung (Alkohol)

 

1. Der Ablauf: Vom Entzug bis zum Gutachten

Der Prozess ist meist zeitintensiv und erfordert Geduld.

  • Sperrfrist abwarten: Das Gericht legt fest, wie lange du kein Fahrzeug führen darfst. Etwa 6 Monate vor Ende dieser Frist solltest du den Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis bei deiner Führerscheinstelle stellen.
  • Abstinentnachweis (AN): Je nach Promillewert und Vorgeschichte musst du belegen, dass du keinen oder kontrollierten Alkohol konsumierst. Dies geschieht über Urinkontrollen oder Haaranalysen (meist über 6 oder 12 Monate).
  • Vorbereitung: Hier suchst du dir einen Verkehrspsychologen, um die Ursachen für die Trunkenheitsfahrt aufzuarbeiten.
  • Die Begutachtung: Am Tag der MPU erwarten dich vier Teile:
    • Fragebögen: (Lebenslauf, Gesundheit).
    • Medizinische Untersuchung: Blutwerte und körperliche Checks.
    • Leistungstest: Reaktion und Konzentration am Computer.
    • Psychologisches Gespräch: Das Herzstück (ca. 45–60 Min.).

2. Die Wahl des richtigen Verkehrspsychologen

Achte penibel auf die Qualifikation, um nicht an „schwarze Schafe“ zu geraten.

  • Titel: Er/Sie muss Diplom-Psychologe oder M.Sc. Psychologie sein.
  • Zusatzqualifikation: Achte auf die Bezeichnung „Fachpsychologe für Verkehrspsychologie“ (z. B. durch BDP oder DGVP).
  • Transparenz: Ein seriöser Berater gibt dir eine schriftliche Teilnahmebescheinigung und arbeitet nach den offiziellen Beurteilungskriterien.
  • Keine Garantien: Wer mit einer „100% Bestehensgarantie“ werbt, ist unseriös. Die Entscheidung trifft am Ende der Gutachter der MPU-Stelle, nicht dein Berater.

3. Anpassung deiner Lebensweise

Der Gutachter sucht nach einer stabilen und dauerhaften Änderung.

  • Abstinenz vs. Kontrolliertes Trinken: Wenn deine Promillezahl sehr hoch war (meist ab 1,6 ‰, oft schon früher) oder Suchtanzeichen vorlagen, ist strikte Abstinenz Pflicht. Bei niedrigeren Werten kann „Kontrolliertes Trinken“ (KT) ausreichen.
  • Umfeldanalyse: Meide Situationen, in denen hoher Trinkdruck herrscht. Der Gutachter wird fragen: „Was hat sich in Ihrem Freundeskreis geändert?“
  • Stressmanagement: Alkohol wird oft zur Entspannung genutzt. Du musst neue Strategien (Sport, Hobbys, Gespräche) vorweisen können, um mit Belastungen umzugehen.

4. Beispielfragen und fachlich korrekte Antworten

Diese Fragen zielen darauf ab, deine Selbstreflexion zu prüfen.

Frage 1: „Warum haben Sie an jenem Tag so viel getrunken?“

Falsch: „Es war eine Ausnahme, ich hatte Geburtstag.“ (Das erklärt nicht die hohe Giftfestigkeit des Körpers).

Richtig: „Ich hatte mir über einen längeren Zeitraum eine hohe Alkoholtoleranz angetrainiert. An diesem Tag war der Anlass [X], aber die eigentliche Ursache war, dass ich Alkohol bereits als Bewältigungsstrategie für [Stress/Einsamkeit/Konflikte] missbraucht habe.“

Frage 2: „Wie haben Sie früher die Wirkung von Alkohol erlebt?“

Antwort: „Ich habe Alkohol zur Enthemmung genutzt. Er gab mir das Gefühl, geselliger und lockerer zu sein. Heute weiß ich, dass dies eine Scheinwirkung war und ich die Probleme dahinter (z. B. mangelndes Selbstvertrauen) nicht gelöst, sondern betäubt habe.“

Frage 3: „Wie verhindern Sie einen Rückfall in alte Muster?“

Antwort: „Ich habe mein Trinkverhalten strikt auf [Abstinenz/KT] umgestellt. In kritischen Situationen, wie z. B. Überstunden oder privatem Streit, nutze ich heute [Alternative, z. B. Joggen gehen oder das Gespräch mit meinem Partner], statt zum Glas zu greifen. Zudem habe ich mein Umfeld informiert, das mich darin unterstützt.“

Häufige Fragen zur verkehrspsychologischen Beratung

Kosten und Dauer

Wie viel kostet eine MPU-Beratung / ein Verkehrspsychologe?

Die Gesamtkosten hängen stark vom Umfang ab. Eine professionelle Vorbereitung kostet im Schnitt zwischen 800 € und 1.500 €.

Einzelstunde: ca. 100 € bis 180 €
Gruppenkurse: ca. 500 € bis 900 €
Wie lange dauert eine MPU-Beratung?

In der Regel umfasst eine solide Einzelberatung 10 bis 15 Stunden. Der Zeitraum erstreckt sich meist über mehrere Monate, da Verhaltensänderungen Zeit benötigen und dokumentiert werden müssen.

Qualifikation und Definition

Wer darf eine MPU-Beratung anbieten und wer darf sich Verkehrspsychologe nennen?

Der Begriff „Berater“ ist nicht geschützt. Aber: Verkehrspsychologe darf sich nur nennen, wer ein Diplom- oder Masterstudium der Psychologie abgeschlossen hat. Seriöse Experten verfügen zudem über die Anerkennung als „Fachpsychologe für Verkehrspsychologie“ (BDP/DGVP). Nur diese Qualifikation wird von MPU-Gutachtern voll anerkannt.

Ist eine verkehrspsychologische Beratung eine MPU?

Nein. Die Beratung ist die Vorbereitung. Die MPU selbst ist die staatlich angeordnete Begutachtung durch eine offizielle Stelle (z. B. TÜV, DEKRA, PIMA), um zu prüfen, ob du deinen Führerschein zurückerhältst.

Inhalt und Wirkung

Was macht ein Verkehrspsychologe und was bringt die Beratung?

Ein Verkehrspsychologe analysiert mit dir die tieferliegenden Gründe für den Alkoholkonsum und die Fahrt. Er hilft dir, Vermeidungsstrategien zu entwickeln. Statistisch gesehen liegt die Erfolgsquote bei MPU-Teilnehmern mit professioneller Vorbereitung bei über 80 %, während Unvorbereitete sehr oft durchfallen.

Wie läuft eine MPU-Beratung ab?

  1. Analyse: Aufarbeitung der Delikte und der persönlichen Vorgeschichte.
  2. Diagnose: Feststellung, ob ein tiefgreifendes Problem (Abhängigkeit/Missbrauch) vorliegt.
  3. Veränderung: Erarbeitung neuer Verhaltensmuster.
  4. Simulation: Üben des Begutachtungsgesprächs unter realistischen Bedingungen.

Die psychologische Prüfung

Was fragt ein Verkehrspsychologe und was will er hören?

Er will keine auswendig gelernten Märchen hören. Er fragt nach:

  • Deiner kritischen Selbstreflexion (Was hast du falsch gemacht?).
  • Deiner Trinkbiografie (Wie hat sich dein Konsum entwickelt?).
  • Deinen Rückfallstrategien (Was tust du, wenn es dir schlecht geht?).

Er will eine glaubhafte, dauerhafte Einstellungsänderung sehen.

Hinweis: „Was will der Psychologe hören?“ ist die falsche Herangehensweise. Der Gutachter erkennt antrainierte Antworten sofort. Ziel der Beratung ist es, dass du eine ehrlich gemeinte Veränderung so artikulieren kannst, dass sie den fachlichen Kriterien entspricht.